Sonderrichter – wichtige Lenker des Zuchtgeschehens

Ein Artikel von Jonas Gebert


Wir freuen uns sehr, an dieser Stelle einen Beitrag von Jonas Gebert vorstellen zu können. Er beschreibt darin die Arbeit der Sonderrichter in der Rassegeflügelzucht und hebt ihre Bedeutung als spezialisierte Fachleute im Preisrichterwesen hervor. Besonders schön ist für uns, dass unser Sonderverein Deutscher Lachshuhn- und Zwerglachshuhnzüchter – und damit auch unsere beiden Zuchtwarte und unsere Sonderrichter – in diesem Zusammenhang so positiv erwähnt wird.

Der Beitrag und das Interview erschienen ursprünglich in der Ausgabe 09‑2025 der Geflügelzeitung. Dank der freundlichen Genehmigung von Jonas dürfen wir beides nun auch hier veröffentlichen.

Im Interview kommen unser 2. Vorsitzender Peter Klother sowie unser Zuchtwart für große Lachshühner, Torsten Reichardt, zu Wort. Sie geben Einblicke in ihre Arbeit und ihre Sicht auf unsere Herangehensweise.

Unser Dank gilt Jonas Gebert für die Freigabe sowie der Geflügelzeitung, die uns jeden Monat mit hilfreichen Informationen rund um unsere gefiederten Freunde begleitet.

SV Deutscher Lachshuhn- und Zwerglachshuhnzüchter


Sonderrichter – wichtige Lenker des Zuchtgeschehens

Die Entwicklung unserer Demografie ist eine der Herausforderungen, der sich unsere Gesellschaft stellen muss. In unserem Hobby hat sie eine noch größere Bedeutung. Immer weniger junge Menschen verwenden ihre Freizeit darauf, sich um Geflügel oder Tauben im Garten zu kümmern. Von den wenigen die es tun, werden wiederum noch weniger Preisrichter, weshalb die Gruppe der Preisrichter jährlich schrumpft. Neben der Tätigkeit als Allgemeinrichter, Land auf, Land ab, auf den verschiedensten Schauen der Republik Ausstellungstiere richtungsweisend zu bewerten, fällt eine entscheidende Rolle der Rasseweiterentwicklung den Sonderrichtern zu. Auch sie werden immer weniger und so mancher Sonderverein bekommt bereits Probleme, seine Sonderschauen mit diesen Spezialisten abzudecken. In diesem Beitrag sollen die Sonderrichter, ihre Bedeutung in der Rassegeflügelzucht und ihre Aufgaben genauer beleuchtet werden.

Der Sonderrichter, was ist das eigentlich?

Beginnen wir mit dem Begriff als solchem. Bereits das Wort hebt hervor, dass an diesem Preisrichter etwas besonders ist. Schaut man in unseren orangen Ordner, so findet man in der Satzung des VDRP (Kennziffer 6), Bestimmung C IX, genau drei Sätze dazu: „Sonderrichter kann nur derjenige werden, der als Preisrichter für die betreffende Gruppe zugelassen ist“ – soweit, so logisch! „Sonderrichter sind allein Angelegenheit der Sondervereine. Sie werden auf Wunsch der SV von der zuständigen PV lediglich im PR-Verzeichnis unter der Rubrik ‚Von SV als SR empfohlen‘ aufgeführt.“ Beim Lesen des letzten Satzes könnte man gar den Eindruck gewinnen, dass sie ein not wendiges Übel sind und der Vollständigkeit halber irgendwo genannt wer den müssen, was ihre tatsächliche Relevanz allerdings mit Nichten abbildet. Der hier meines Erachtens nach wichtigste Teilsatz ist ganz klar die Herausstellung der Sonderrichter als Angelegenheit der entsprechenden Sondervereine. Damit entzieht sich ein Teil ihrer Tätigkeiten und Berufung der Reichweite der PVen und des VDRP. Sie gewinnen so Kraft Satzung mittelbar mehr Unabhängigkeit. Gleichfalls soll das vorher beschriebene nicht implizieren, dass ein Sonderrichtertitel die Relevanz der AAB oder gar des Standards reduzieren würde. Unsere Regularien behal ten ihre Gültigkeit und werden hiervon nicht berührt!

 

Im SV Deutscher Lachshuhn- und Zwerg-Lachshuhnzüchter beraten SR aus Deutschland  und dem Ausland gemeinsam über die Weiterentwicklung der Rassen
Im SV Deutscher Lachshuhn- und Zwerg-Lachshuhnzüchter beraten SR aus Deutschland und dem Ausland gemeinsam über die Weiterentwicklung der Rassen

Wie wird man Sonderrichter?

Anders als beim allgemeinen Weg zum Preisrichteramt, gibt es hierfür keine allgemeingültigen „Wegbeschreibungen“. Qua Satzung regeln die SV selbst, wie man wann Sonderrichter wird. Nach meinen Erfahrungen ist es vor allem so, dass große SV Regularien für den Weg zum Sonderrichter entwickelt haben, während kleine SV eher dazu tendieren, darauf mangels Notwendigkeit zu verzichten. Es gibt beispielsweise SV, bei denen es notwendig ist, zuerst in einem Bezirk zur Bezirksschau 

Der Austausch und die Diskussion unter den Sonderrichtern ist  wichtiger Bestandteil einer einheitlichen, fundierten Bewertung
Der Austausch und die Diskussion unter den Sonderrichtern ist wichtiger Bestandteil einer einheitlichen, fundierten Bewertung
Ein geschützter Diskussionsraum für den fachlichen Austausch  bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung des Zuchtstandes
Ein geschützter Diskussionsraum für den fachlichen Austausch bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung des Zuchtstandes

zu bewerten, wenn das hier Geleistete für gut befunden wird, wird man dem Hauptverein als SR-Kandidat vorgeschlagen. Dieser lädt dann zur Probearbeit anlässlich der nächsten HSS. Wenn die Arbeit für gut befunden wird, wird man zur nächsten HSS als SR-Anwärter verpflichtet und erhält dort einen Richtauftrag. Auch dieser wird ausgewertet. Sollten die anwesenden SR und Züchter zu der Einschätzung gelangen, dass der Auf trag gut bewältigt wurde, ist schließlich der Antrag auf Berufung zum Sonderrichter bei der nächsten JHV die letzte zu überwindende Hürde, bevor man sich offiziell Sonderrichter nennen darf. Sicher, dieser Weg ist ausgesprochen intensiv und verlangt demjenigen, der SR werden möchte, Ausdauer und Durchhaltevermögen ab. Gleichzeitig sorgt er auch dafür, dass der Status des SR ein sehr hoher ist und es keineswegs inflationär verwendet wird. Klar ist auch, dass sich einen solch umständlichen Weg nur diejenigen SV leisten können, die über eine große Mitgliederanzahl verfügen, aus der im Laufe der Jahre immer mal wieder geeignete Kandidaten hervorgehen, die sich schließlich auf die Reise begeben. In aller Regel ist zumindest ein Bewerten auf einer Sonder- oder Hauptsonderschau, welches im Anschluss besprochen wird, von den allermeisten SV als diejenige Hürde vorgesehen, die überwunden werden muss, wenn man SR werden möchte. Hierbei ist es natürlich wichtig, dass neben den evtl. anwesenden anderen Sonderrichtern, auch die Züchter zu Wort kommen und den jeweiligen Bewertungsauftrag sachlich und kritisch begutachten, um dem Zuchtwart hierzu belastbare Rückmeldung geben zu können. Denn niemandem ist geholfen, wenn SR wird, wer keinen Rückhalt im SV und der Züchterschaft hat. Am Ende entscheidet immer die Mitgliederversammlung und damit jedes (anwesende) Mitglied des SV darüber, ob jemand SR wird oder auch nicht. Was vor allem insofern logische Konsequenz sein muss, da ein SR durch die Züchterschaft und damit die potentiellen Aussteller, die wiederum Adressaten der zukünftigen Kritiken sind, getragen werden muss. Das Vorschlagsrecht zum SR hat jedoch in den allermeisten SV (die mir bekannt sind) der Zuchtwart. Er bewertet das Geleistete und kann zur Berufung hin wirken oder eben auch nicht. In vielen SV ist der Zuchtwart gleichsam Preisrichter und dann in seiner Funktion qua Amt, der „Chef“ unter den SR des jeweiligen SV. Gleichwohl sollte die Hürde, wie man SR wird, nicht zu niedrig angesetzt sein und keinesfalls – so zumindest meine Meinung – sollte es einen Automatismus geben, der zum SR-Titel führt. Wenn bspw. ein Mitglied des SV die PR-Ausbildung erfolgreich abschließt, sollten auch solche Mitglieder auf Herz und Nieren geprüft werden. Denn es ist nicht gesagt, dass ein guter Züchter auch gleichzeitig ein guter Preisrichter und damit SR sein muss. Es ist insofern festzuhalten, dass die SV in der Ausgestaltung der Regularien, oder eben auch im Verzicht hierauf, frei sind und ihre ganz individuellen Wege gefunden haben. Wer Konflikten vor beugen möchte, dem sei geraten einen definierten Weg zum Sonderrichterstatus festzuhalten, damit es nicht zu Unbehagen oder Auseinandersetzungen kommt.

Harry Mütze in Aktion; wie bei ihm ist die  Konstellation erfolgreicher Züchter, Sonderrichter und Zuchtwart im SV in Personalunion keine Seltenheit
Harry Mütze in Aktion; wie bei ihm ist die Konstellation erfolgreicher Züchter, Sonderrichter und Zuchtwart im SV in Personalunion keine Seltenheit

Die Aufgaben des SR

Wie bereits in der Überschrift erwähnt und durch die vorher beschriebene demokratische Legitimierung des SR gewinnt seine Kritik an Gewicht. Das ausgesprochene Urteil muss zucht standsbezogen und richtungsweisend sein, und sich darin u.U. auch von der jenigen Bewertung eines Allgemein richters qualitativ abheben. Um diese Kriterien erfüllen zu können, ist es m. E. n. unerlässlich, die Rasse einmal selbst gezüchtet zu haben oder idealer weise noch zu züchten. Nur so wird es dem SR möglich die Schwierigkeiten der Zucht korrekt einschätzen zu kön nen und bei der Bewertung einzuschät zen, was züchterisch dargeboten wird. Die zielgerichtete Weiterentwicklung der Rasse, hin zum durch den Standard definierten Idealtypus, ist die oberste Aufgabe des SR. Hierfür ist eine ständi ge Auseinandersetzung mit dem Stan dard wichtig. Mit dem Zugewinn an Wissen, muss nach Feststellungen am Tier manches Mal auch der Standard optimiert werden. Gerade in Sachen Farbgenetik wurden unsere Horizonte in der breiten Masse der Züchter deut lich größer, was dazu geführt hat, das faktische Unmöglichkeiten, die der ein oder andere Standardtext forderte, dem Realismus gewichen sind, was vieler orts sicher auch Verdienst engagierter SR war und ist. Auch muss es Aufgabe der SR sein, sich untereinander abzustimmen, gemein same Marschrichtungen zu definieren, Ideen zur Weiterentwicklung der Tiere anzubringen und den Züchtern mitzuteilen, was nun zum nächsten Kapitel überleiten soll.

Ein positives Beispiel

Unsere modernen Medien ermöglichen bereits seit einigen Jahren vieles. Auch die Vernetzung und Absprache unter den SR wird davon profitiert haben. Der Austausch und die Diskussion am Tier sind und bleiben jedoch die wichtigsten Orte, an denen SR über die verschie densten Dinge konstruktiv beraten können. Reichen dazu die Schausaison, die HSS oder die abgehaltenen Tierbe sprechungen? Ich würde meinen, dass häufig nicht alle SR zugegen sind und die Zeit ohnehin knapp ist, sodass es hin und wieder an den nötigen Diskus sionen fehlt. Der SV Dt. Lachshühner und Zwerg Lachshühner, hat dahingehend eine tolle Tradition entwickelt, die seit 2011 durchgeführt wird und das Potential hat, Vorbild für andere SV zu sein. Jährlich am ersten Maiwochenende treffen sich die Preis- und Sonderrichter sowie Teile der Vorstandschaft bei Steffen Ackermann in Grabe/Thür. Am Sams tagvormittag finden sich alle Zfr. aus ganz Deutschland und dem angrenzen den europäischen Ausland dort ein. Nach einem zünftigen Frühstück und einer Begrüßung, werden die Zucht schwerpunkte der vergangenen Jahre nochmals kurz wiederholt und bespro chen. Im Anschluss erhält jeder anwe sende SR zwischen 5 und 10 Bewer tungskarten, es werden von den mitge brachten Tieren einige zugewiesen und bewertet. Hierbei wird vor allem darauf geachtet, dass die mitgebrachten Tiere mindestens von zwei PR bewertet wer den, sodass im Anschluss ein Vergleich und eine Diskussion möglich sind. Jeder PR hat dabei mehr als genug Zeit die Karten auszufüllen, die nach der Bewertung am Käfig angebracht wer den. Sobald alle PR mit ihrer Bewertung fertig sind, besprechen die beiden Zuchtwarte, Torsten Reichardt und Matthias Schutza die abgegebenen Bewertungen und nehmen dabei insbesondere die geltenden Zuchtschwerpunkte in den Blick. Hierbei diskutieren alle Anwesenden fleißig mit. Was war gut? Was hätte man besser machen können? Wo ist man deutlich von der Spur abgekommen? All diese Dinge werden auf Augenhöhe angesprochen und sorgen in beeindruckender Weise dafür, dass die Bewertungen sehr stark vereinheitlicht und somit untereinander vergleichbarer werden. Über die Erfahrungen und Ergebnisse dieser Treffen konnte ich mit zwei Vertretern des SV sprechen und im Interview auf der nächsten Seite Einblicke geben.

Der Sonderrichter und seine „Blindheit“

Bewusst ist diese Zwischenüberschrift provokant formuliert. Damit ist keineswegs mutwilliges Negativverhalten gemeint. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, was im Kontext der Beurteilung unseres Rassegeflügels dazu bei tragen kann, dass unser Blick an der ein oder anderen Stelle etwas an Kritik einbüßt. Wir Züchter kennen es alle, man hat ein Jungtier, dass bereits früh in der Phase der Aufzucht auffällt und man stets beim Anblick des Tieres denkt „das wird mal eine höhere Note erringen“. Dann steht der Besuch eines befreundeten Züchters an, man präsentiert besagtes Tier stolz und die Hoffnung auf die begehrte hohe Note zerplatzt mit dem Kommentar: „Hast du nicht gesehen, dass ...“. Ähnliches kann passieren, wenn Sonderrichter zu lange unter sich bleiben. Es können sich Merkmalsausprägungen einschleichen, die man schlicht nicht mehr sieht und folglich bei der Bewertung nicht gebührend berücksichtigt. Viele SV ziehen deshalb immer wieder einmal Allgemeinrichter auf ihren HSS hinzu, die die Bewertung eines Teiles der Tiere übernehmen. Schon häufig entdeckten diese dann Entwicklungen, die man sonst schon einmal übersehen hatte. Im Folgenden findet eine Sensibilisierung der SR in diese Richtung statt und man kann evtl. auftretende Fehlentwicklungen zurück drängen. Besonders bei solchen Merk malen, die die Tierschutzrelevanz betreffen, sind solche Anstöße von außen wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Zuchtstände. Auch kann man hin und wieder fest stellen, dass Sonderrichter Dinge auf die Karten bringen, bei denen sich so mancher Allgemeinrichter fragt, „wo kommt das denn her?“. Um die vermutete Wissenslücke zu schließen, schaut man in den Standard und auch dort lassen sich keine Anhaltspunkte fin den. Hierzu passt das Statement des Vorsitzenden des VDRP, Martin Backert, der im Gespräch zu diesem Beitrag anmerkt:

„Egal auf welcher Schau, egal ob Allgemein- oder Sonderrichter, es gilt, der Standard ist für alle bindend!“

Sich dieses Umstandes bewusst zu sein, gehört zu einem ehrlichen, reflektierten Verhalten, dass jeden Preisrichter wichtig sein sollte. Denn nur so ist eine standardbasierte, nachhaltige Weiterentwicklung der Zuchtstände möglich.

Fazit

Sonderrichter sind zweifelsohne wichtige Fachmänner, die innerhalb ihrer Sondervereins eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung der Zuchtstände darstellen. Die Demografie sorgt dafür, dass auch sie immer weniger werden und gerade jüngere Preisrichter umworben sind, Sonderrichter für diese oder jene Rasse zu werden. Dabei sollte man unbedingt im Blick behalten, dass der Sonderrichtertitel ein Ehrentitel ist, der keinesfalls inflationär verteilt werden sollte, da dies zu einer Abwertung desselbigen führen würde. Da, wo es notwendig erscheint, empfiehlt sich die Festlegung eines klaren Weges zum Sonderrichter. Trotz allen Fachwissens und aller Erfahrungswerte die einen als Sonderrichter auszeichnen, sind es der Standard und die AAB, die stets die Leitplanken des Handels darstellen. Ich für meinen Teil empfinde es stets als große Ehre, wenn mir die Berufung zum Sonderrichter angeboten wird, nicht immer kann man sie annehmen.

Bilder und Text: Jonas Gebert


Im Gespräch mit Peter Klother, 2. Vors. des SV und Organisator des Treffens, und Zuchtwart Torsten Reichardt

Lieber Peter, wie kam es seinerzeit dazu, dass ihr diese Veranstaltung ins Leben gerufen habt?

Aus der Züchterschaft wurde an uns als Vorstand der Wunsch herangetragen, dass die Bewertung – gerade der lachsfarbigen Hennen – stärker durch eine gemeinsame rote Linie gekennzeichnet wird. Vor 2011 haben sich die Sonderrichter eine Stunde während der Sommertagung zusammengesetzt und über die Tiere und das Zuchtgeschehen beraten. Das passierte während drum herum weiter Programm lief. Eine Stunde war deshalb einfach zu sportlich um wirklich in einer ziel führenden Diskussion miteinander, die Zuchtstände der einzelnen Farbenschläge weiterzuentwickeln. Wir mussten uns daher als Vorstand im Sinne der SV-Mitglieder eine Lösung überlegen, die schließlich in dem noch heute durchgeführten Konzept mündete. Es ist uns wichtig, dass die Einstellung unserer Mitglieder zu unseren SR durch Vertrauen getragen wird und die Basis für unsere gemeinsame Rasseentwicklung darstellt.

Das Ziel der Veranstaltung ist also vor allem?

Es war und ist uns wichtig, dass unsere SR einheitlichere Bewertungen abgeben, sodass ihre jeweiligen Bewertungen für die Züchter wichtige bestandskräftige und richtungsweisende Urteile darstellen. Weil uns gleichwohl bewusst war, dass es sich in einer großen Ausstellungshalle mit bereits abgegeben Bewertungen schwieriger sachlich fundiert diskutieren lässt, wollten wir einen geschützten Raum schaffen, in dem Diskussionen zur Fortentwicklung unserer Rassen möglich sind. Hieraus

ergab sich dann auch unser heute oft gesagter Grundsatz: „Alles was in Grabe passiert, bleibt in Grabe!“.

Das habe ich hier in Grabe erlebt, dass wirklich alles offen angesprochen wird, was ich toll finde. Nun macht ihr das bereits 14 Jahre, habt ihr schon Verbesserungen feststellen können, falls ja welche waren das?

Die haben wir auf alle Fälle festgestellt! Sonst hätte sich dieses Treffen nicht so lange und erfolgreich etablieren können. Ich denke das eine der wichtigsten Errungenschaften die Festlegung der Zuchtschwerpunkte ist, die konsequent und schwerpunktmäßig von allen SR berücksichtigt werden und von den Züchtern des halb verstärkt verbessert werden. Das führte zum Verschwinden von Problemen, die wir sonst über Jahre wenig erfolgreich bekämpft haben. Aufgrund der hier in Grabe definierten „roten Linien“, die wir offen in unserer Züchterschaft kommunizieren, wissen alle woran sie sind und worauf es zu achten gilt. Hieran werden auch die Bewertungen unserer SR gemessen. Ich denke auch, dass ganz allgemein eine Aufwertung des SR-Status stattgefunden hat. Unsere SR sind eben nicht einfach nur Mitglieder, sie sind wichtige Entwicklungslenker, wie ich finde. Ich kann mich gut an zahlreiche Ge spräche mit Zuchtfreunde erinnern, in denen angeregt wurde, sich dieser Frage einmal anzunehmen. Meine Antwort auf solche Anregungen sind stets: „Das nehme ich mit nach Grabe“. Hier wird es dann besprochen und ich kann eine fundierte und für den Zuchtfreunde zufriedenstellende Antwort liefern, die aufgrund unserer 

Veröffentlichungen auch anderen Mitgliedern hilft.

Torsten, was sind aus deiner Sicht als Zuchtwart die Errungenschaften dieser Treffen?

In Ergänzung zu Peters Ausführungen möchte ich nochmal kurz auf unsere Zuchtschwerpunkte eingehen. Wie du weißt, ändern wir diese nicht jährlich. Die Züchter erhalten 3–5 Jahre, um an den definierten Merkmalen Verbesserungen herbeizuführen. Wenn das dann nach dem Ablauf dieser Zeit nicht passiert ist, folgen Konsequenzen in Form von Eintragungen in der Mangelspalte. Für mich als Zuchtwart ist es wichtig, dass wir durch unsere Diskussionen aktiv am Zuchtstand unserer Lachse arbeiten und zur Fortentwicklung beitragen. Uns gelingt es damit Licht in die Grauzonen des Standards zu bringen und Klarheiten zu schaffen, die ich für wichtig halte, denn sonst kommt es eben zu abweichenden Bewertungen, die wir als SV natürlich vermeiden möchten. Durch unser jährliches Treffen können wir natürlich auch immer aktuell auf Entwicklungen der Zuchten reagieren und ggf. direkt gegensteuern, sodass Probleme sich gar nicht erst entwickeln und festsetzen können. Natürlich sind die Diskussionen rund um die abgegebenen Bewertungen nicht immer angenehm, aber Kritik und Reflexion gehören einfach zum Preisrichteramt und sind auch für die Entwicklung der individuellen Bewertungstätigkeit sehr wichtig. Gleichzeitig ist gegenseitige Wertschätzung für mich sehr wichtig. Vielen Dank für eure offenen Worte und die Bereitschaft zum Interview


Interview geführt von Jonas Gebert